Das Märchen von der dichten Kiste – Teil 3 – Konvektion und Kondensation

Konvektion und Kondensation

In den vorangegangenen Teilen ging es um flüssiges Wasser. Aber welche Rollen spielen Luftfeuchtigkeit, Konvektion und Kondensation?

Konvektion- und Kondensation in Kiste

Konvektion und Kondensation in Kisten

Fakt ist, dass es unmöglich ist, ohne ganz spezielle und sehr aufwändige Mittel Luftfeuchtigkeit vom Kisteninnenraum fernzuhalten. Bei einer normalen Kiste ist daran nicht zu denken. Es finden unaufhörlich Anpassungs- und Ausgleichsprozesse statt, bei denen das in einer Kiste herrschende Kryptoklima versucht, mit dem Umgebungsklima ins Gleichgewicht zu kommen.

Verschimmelter Kisteninnenraum

Keine Lüftung, stark verschimmelter Innenraum

Das eigentliche Problem entsteht aber dadurch, dass Kisten zum einen nicht dicht sein können, zum anderen die Undichtigkeiten jedoch nicht ausreichen, dass klimatische Anpassungsvorgänge schnell genug ablaufen können. Die Betonung liegt hier auf schnell.

Durch eingedrungenes Wasser oder Feuchtigkeit aus innen verbautem Holz herrscht innerhalb der meisten Kisten dauerhaftes bis sehr bis extrem feuchtes Klima.

Mit anderen Worten: Es enstehen Lüftungsprobleme.

Durch Sonneneinstrahlung oder Wärmequellen auf Frachtschiffen können sich Kisten innen sehr stark und schnell erwärmen. Das führt dann dazu, dass die erwärmte Luft Feuchtigkeit aufnimmt. Feuchte Luft ist leichter als trockene und steigt auf. Es entsteht eine Konvektion.

Kondenswasser unter einem Kistendeckel

Kondenswasser unter der Deckelsperrschicht

Die Deckelunterseite bietet sich als ideale Kondensationsfläche an. Dort kühlt sich die Luft ab und gibt die enthaltene Feuchtigkeit an die Deckelunterseite ab, wo sich Tropfen bilden. Es entsteht Kondensat. Dieses tropft dann bei entsprechenden Bedingungen auf die Sperrschicht, wo sich im Laufe der Zeit die gefährlichen Wassersäcke ausbilden können.

Unter entsprechend ungünstigen Bedingungen können sich auf diese Weise regelrechte Kreisläufe bilden, die fortdauernd Kondensat erzeugen, das dann wieder abtropft und wieder verdunstet und aufsteigt. Es entsteht das sogenannte Barackenklima. Schimmelbildung in den oberen Bereichen der Kiste sind die Folge. Auch können sich in Wassersäcken tatsächlich Biotope bilden.

Die meisten Kisten werden in Deutschland ohne Lüftungsöffnungen in den oberen Bereichen und ohne Abflussmöglichkeiten an den Böden gebaut. Das eine ist so wichtig wie das andere. Die Folge ist, dass eingedrungenes Wasser und Feuchtigkeit nicht mehr aus der Kiste entweichen kann, zumindest nicht schnell genug.

Lösungsmöglichkeiten

Wie bei jedem Haus spielen Lüftung und Lüftungsmöglichkeiten wichtige Rollen.

In Kisten müssen möglichst weit oben ausreichend große Lüftungsöffnungen eingebaut und mit geeigneten Abdeckungen, wie Kiemenbleche oder Gitter, versehen werden. Diese Abdeckungen müssen ihrerseits so gestaltet sein, dass direkter Wassereintritt erschwert wird.

An den Böden müssen ebenfalls Öffnungen vorgesehen werden, die groß genug sind, dass Wasser ungehindert rauslaufen kann. Gleichzeitg müssen die Öffnungen klein genug sein, dass keine Nagetiere und große Insekten Einzug halten und die Sperrschichten beschädigen können.

Eine nahe liegende und kostenlose Methode ist, dass Bodenbretter einfach auf Lücke gesetzt werden. Alternativ können auch Löcher in die Bodenbeläge gebohrt werden. Diese müssen allerdings mit Gittern versehen werden.

In den einschlägigen deutschen Richtlinien finden diese wichtigen Vorkehrungen leider keinerlei Beachtung. Dazu sei nebenbei bemerkt, dass europäische Nachbarländer sich diesbezüglich wesentlich problemorientierter aufstellen und geeignete Vorkehrungen in ihre Kisten einbauen.

Fazit

Wenn eine gut funktionierende Innenverpackung ihre bestimmungsgemäße Schutzfunktion ausübt und den Inhalt vor klimatischen und biotischen Umwelteinflüssen schützt, kann das in Kisten zwangsläufig entstehende Kondensat dem Packgut nichts anhaben.

Trotzdem sollten Maßnahmen ergriffen werden, die die Schimmelbildung verhindern helfen. Zum einen sei aus Gesundheitsgründen an das Personal gedacht, das die Kisten auspackt. Zum anderen kann das aus Imagegründen nicht im Interesse eines Versenders liegen, dass seine Waren in solch vergammelten Verpackungen beim Käufer ankommen. Man denke da einmal ganz einfach an das eigene Einkaufsverhalten.

Und obendrein kann das doch überhaupt nicht sein, dass Hightechmaschinen des 21. Jahrhunderts unter Slogans wie Industrie 4.0 und Logistik 4.0 in solchen, nicht zeitgerechten Exportverpackungen ihre Käufer erreichen müssen

 

Das könnte Dich auch interessieren …